Oft werden wir gefragt, warum die QR Codes in Japan so erfolgreich sind und bei uns in Europa nicht und weshalb die connvision einen eigenen 2D-Code entwickelt hat.
Es gibt im Wesentlichen 3 Gründe, warum QR Codes bei uns nicht funktionieren:
1) QR Codes sind nicht dafür geeignet mit den Kameras unserer Mobiltelefone gelesen zu werden
Warum ist das so ?
Nun, zum einen sind QR Codes nicht sehr effizient in der Art und Weise der Codierung ihres Inhalts.
Ein QR Code braucht für denselben Inhalt wesentlich mehr Fläche wie vergleichbare 2D Codes (z.B. Data Matrix).
Das liegt an daran, dass:
» QR Codes in erster Linie dafür optimiert wurden schnell lesbar zu sein, und nicht auf besonders kompakte Grösse
» Die (mindestens) 3 Positionsmarken in QR Codes enorm viel Platz beanspruchen aber keinerlei relevante Nutzdaten enthalten
» QR Codes ursprünglich für Kanji (2 Byte pro Zeichen) optimiert wurden
» QR Codes eine sehr platzraubende Fehlerkorrektur verwenden (Reed Solomon), diese braucht bis zu 50% der Nutzfläche eines QR Codes bei höchster Korrekturstufe
Hier zum Vergleich ein QR Code und ein alternativer 2D-Code (Data Matrix), beide haben denselben Inhalt (http://www.connvision.com) und dieselbe Grösse der Pixel:

Diese Effekte zusammengenommen haben zur Folge, dass man die einzelnen Pixel (sogenannte Module) eines QR Codes sehr klein machen muss, damit der Code insgesamt eine vernünftige, druckfähige Grösse (z.B. 2-3cm) bekommt.
Und genau hier liegt das Problem: Die Pixel von QR Codes werden selbst bei ganz geringen Informationsmengen schon so klein, dass sie mit unseren normalen Handy-Kameras nicht mehr erfasst werden können! Das liegt daran, dass bei uns fast alle Handy-Kameras weder eine Makro-Funktion haben, noch einen Autofokus. Dadurch "verschmieren" die einzelnen Elemente des Codes so stark, dass sie nicht mehr unterschieden werden können.
Hier als Beispiel ein Bild eines QR Codes mit 25mm Kantenlänge wie ihn eine handelsübliche Handy Kamera „sieht“. Man erkennt deutlich, dass die einzelnen Pixel so unscharf werden, dass sie praktisch nicht mehr unterscheidbar sind.

Die Lesesoftware von BeeTagg hat zwar grundsätzlich dasselbe Problem mit den Kameras, aber der BeeTagg ist im Gegensatz zum QR Code darauf optimiert worden mit unseren westlichen Kamera Handys erkannt zu werden.
In folgender Abbildung sieht man wie dieselbe Kamera einen BeeTagg mit identischen Abmessungen sieht. Das Bild wird zwar auch unscharf, aber die einzelnen Elemente sind immer noch deutlich erkennbar.

Warum funktioniert das Ganze aber dann in Japan so gut?
Ganz einfach: Die dortigen Handys besitzen meist eine Makrofunktion und häufig auch einen Auto-Focus!
Es gibt zwar in Japan auch einige Typen von Nokia, SonyEricsson und Motorola, die denen bei uns entsprechen, aber diese Modelle haben auch in Japan keinen QR Code Reader vorinstalliert. Nur ganz wenige bei uns verfügbare Modelle (ein Paar Symbian Geräte) bringen derzeit die technischen Voraussetzungen mit um mit QR Codes arbeiten zu können.
Da man realistischer Weise nicht davon ausgehen kann, dass sich alle Handy-Nutzer in der westlichen Welt (das sind immerhin > 1 Milliarde) kurzerhand ein neues Handy mit Makro und Autofokus kaufen (von denen es ohnehin nur eine Handvoll auf unserem Markt gibt) bleibt als einzige logische Schlussfolgerung, dass man lieber auf die Verwendung des QR Code verzichten sollte, bevor man proprietäre und inkompatible Lösungen implementiert, die das bereits bestehende Kompatibilitäts-Chaos beim QR Code noch verschärfen.
Der einzige "Trick" mit dem man dieses Problem teilweise lösen kann besteht darin, dass man statt der Url eine Zahl (Kurznummer) im QR Code ablegt, um den QR Code möglichst klein und damit lesbar zu halten. Diese Zahl wird dann serverseitig durch die eigentliche Url ersetzt. Dagegen ist zwar grundsätzlich nichts einzuwenden (BeeTagg macht das im Prinzip genauso), aber man hat damit eine Lösung, die nur mit einem ganz speziellen QR Code Reader funktioniert und inkompatibel ist mit allen anderen QR Code Readern auf der Welt. Das komplette Chaos findet dann statt, wenn der exakt gleiche QR Code mit zwei unterschiedlichen QR Code Readern zwei unterschiedliche Webseiten aufruft (kann unter Umständen heikel werden).
2) Die physikalische Kodierung der QR Codes ist standardisiert, inhaltlich gibt es ein grosses Chaos
Neben der Lesbarkeit ist die „Standardisierung“ das zweite grosse Problem des QR Code. Entgegnen der landläufigen Meinung ist die Nutzungsweise des QR Code nämlich keineswegs standardisiert. Das einzige was beim QR Code standardisiert ist, ist das (syntaktische) Codierungsprinzip. Viel wichtiger als das ist aber der eigentlich Inhalt eines Codes und die Art und Weise wie er von einer Applikation zu interpretieren ist. Hier sehen wir in der Realität ein wahrhaftiges Chaos: Die Reader der 3 grossen japanischen Telekomanbieter sind weitgehend inkompatibel, wenn es über reine Web-Adressen hinausgeht. Ein Vodafone QR Code mit Kontaktdaten (z.B. auf einer Visitenkarte) kann z.B. von einem NTT Docomo Reader nicht gelesen werden, und umgekehrt. Das führt dazu, dass Japaner häufig zwei oder mehr QR Codes auf Ihren Visitenkarten anbringen müssen, um sicher gelesen werden zu können.

Jedes Telekommunikationsunternehmen hat hier eigene „Standards“ entwickelt, die selbstverständlich nicht miteinander kooperieren.
Als Anbieter von QR Codes muss man sich also entscheiden, welchen der „Standards“ man unterstützen möchte. Nachfolgende Abbildung zeigt einen dieser Multi-Standard QR Code Generator. Man sieht, dass derselbe Inhalt (http://www.connvision.com) jedes Mal zu unterschiedlichen Ergebnissen führt.

Es gibt auch sogenannte „Hybridverfahren“, die darauf basieren, dass man einfach dieselben Daten in unterschiedlichen Formaten mehrfach im Code ablegt (und damit natürlich zwangsläufig die Grössenpüroblematik noch verschärft).
Abschliessend ist vielleicht erwaähnenswert, dass unabhängig von der eigentlich Codierung ohnehin nur 25% der gängigen QR Code Versionen von japanischen Handys unterstützt werden (nur bis Version 10).
Das ist so im Grunde eine völlig inakzeptable Situation!
Was aber noch schlimmer ist: Für den Enduser gibt es absolut keine Möglichkeit zu erkennen ob er jetzt einen „kompatiblen“ QR Code vor sich hat (weil das Aussehen ja immer dasselbe ist). Im bleibt nur die Wahl, dies auszuprobieren („Trial & Error“).
Auch die wenigen Anbieter in Europa bauen in Ihre Reader solche proporitären Erweiterungen ein, die das vorherrschende Chaos komplettieren. Interessanterweise geben diese Anbieter meist an, sie verwenden den QR Code deshalb, weil sie einen etablierten „Standard“ unterstützen möchten.
3) QR Codes „sprechen“ nicht mit den Usern
Das immer gleiche (weil „standardisierte“) Aussehen ist schliesslich der dritte grosse Nachteil des QR Code. Der Enduser hat keinerlei Chance zu erkennen ob er den QR Code überhaupt nutzen kann, geschweige denn, wer Ihn erstellt hat, oder was er macht. Der QR Code ist ein rein technischer Code, gemacht für maschinelle Erfassung ohne zutun des Menschen. Der QR Code ist insbesondere nicht für Mobile Tagging entwickelt worden sondern für logistische Zwecke. Man findet deshalb die Codes auch auf Bauteilen, Lieferscheinen, Maschinen etc. Selbstverständlich kann man diese QR Codes nicht „klicken“, obwohl sie genauso aussehen, wie solche die man klicken kann.

Der QR Code ist deshalb als Kommunikationsmittel denkbar ungeeignet. Er „spricht“ nicht mit den Menschen und sein Aussehen spricht Menschen auch nicht an (im Gegenteil). Eine der wichtigsten Erkenntnisse in der Entwicklung von Benutzerinterfaces ist die Tatsache, dass interaktive Elemente eine erkennbare Bedeutung bzw. Funktion haben müssen (z.B. in der Form von „Icons“). Dies lässt sich mit QR Codes nicht erreichen. Die Japaner sind hier eine Spur resistenter gegenüber solchen emotional-pragmatischen Einflüssen, dort überwiegt oft die nüchterne Technikbegeisterung. Wobei ich aber auch den Eindruck habe, dass QR Codes in japanischen Kommunikationsmitteln gar nicht so sehr als Fremdkörper wirken wie bei uns, irgendwie hat der Code etwas, was an die Anmutung japanischer Schriftzeichen erinnert.