Vor mehr als 10 Jahren, anlässlich der CeBIT 1995 formulierte Bill Gates die Vision von "Information at your fingertips". Das Ganze wurde mit einer aufwändigen Videoproduktion veranschaulicht und war, aus heutiger Sicht betrachtet, in vielen Aspekten wirklich visionär und richtungsweisend.
Aber wo stehen wir heute, ist die Vision zur Realität geworden ?
„Information at your fingertips“ bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass man jederzeit, an jedem Ort auf genau die Informationen zugreifen kann, die man in einer ganz konkreten Situation (z.B. Kaufentscheidung) benötigt.
Nun ist es im realen Leben keineswegs so, dass uns diese Möglichkeit immer und jederzeit offen steht. Allein schon deshalb, weil wir eben nicht ständig unseren Computer mit Internetzugang mit uns herumtragen (siehe dazu auch nachstehende, nicht ganz ernst gemeinte, Abbildung eines frühen mobilen Information Workers).

Genau genommen haben wir heute zwar Zugriff auf einen fast unendlichen Informationsraum, aber sicher nicht jederzeit, auch nicht an jedem Ort, und schon gar nicht kontextsensitiv.
Das Problem besteht aber nicht darin, dass bestimmte Informationen nicht verfügbar wären (dieser Teil der Vision ist mit dem Internet zur Realität geworden - hier irrte übrigends Bill Gates, er glaubte damals noch an MSN als globales Informationsnetz), sondern darin, das es nicht möglich ist jederzeit und an jedem Ort darauf zuzugreifen. Wir haben also ein Problem mit dem Zugriff und damit letztlich mit unseren Endgeräten die wir für den Zugriff benötigen.
Wir brauchen ein Endgerät mit Zugriff auf das Internet, welches immer und jederzeit verfügbar ist, und das auch möglichst jeder hat. Weiterhin muss dieses Endgerät kontextsensitiv in der Lage sein ohne weiteres zutun genau die Informationen aus dem Internet zu laden, welche unserer aktuellen Situation bzw. dem Informationsbedürfnis entsprechen.
Das einzige Endgerät, dass diese Anforderungen erfüllt, ist das Mobiltelefon!
Das Mobiltelefon ist der universelle Client schlechthin, es gibt weit mehr Mobiltelefone als beispielsweise Computer oder Fernseher. In vielen Ländern beträgt die Versorgung der Bevölkerung 100% (oder mehr).
Mobiltelefone ermöglichen den Zugang zu Informationen im Internet an (fast) jedem Ort, zu jeder Zeit.
Ausserdem haben Mobiltelefone längst Leistungswerte erreicht, die denen „normaler“ Computer vergleichbar sind, oder diese sogar übertreffen. Heutige Mobiltelefone sind weitaus leistungsfähiger als normale PCs vor 10 Jahren.

[Q.: Mobile explosion - Orange Communications]
Obwohl Mobiltelefone also aus technischer Sicht alle Anforderungen erfüllen um zum zentralen Dreh- und Angelpunkt unserer Informationsarbeit zu werden, sieht die Realität doch anders aus, lediglich 10-20% der Anwender nutzt das Mobiltelefon tatsächlich als Endgerät für das Internet.

Fähigkeit zur Nutzung des mobilen Internet und tatsächliche Nutzung
[Q.: Forrester, Europe’s mobile Customer, 06/2005]
Woran liegt das ? Warum hat sich dann das Mobiltelefon in allen seinen Ausprägungen (PDA, Smart Phone etc.) heute noch nicht als universelles Internet-Device neben (oder sogar statt) des PCs etablieren können ?
Da technische und inhaltliche Hinderungsgründe mittlerweile weitgehend eliminiert sind (siehe oben) bleibt letztlich nur eine mögliche Schlussfolgerung:
Es liegt an der Bedienbarkeit dieser Geräte (Usability)!
Wir haben mit der Bedienbarkeit heute verfügbarer Mobiletelefone einen Stand erreicht, den wir bei normalen Computern zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hatten. Die Computer waren auf den Schreibtischen der Menschen angekommen, aber kaum einer konnte und wollte die komplizierten, oft zeilenorientierten und völlig uneinheitlichen Interfaces bedienen. Mit dem aufkommen grafischer Interfaces und vor allem interaktiver Zeigegeräte (der Maus !) änderte sich das Bild, Computer wurden explorativ und intuitiv bedienbar.
Stellen Sie sich vor, sie müssten Ihren Computer und den Web Browser ohne Maus bedienen, nur mit der Tastatur. Eigentlich undenkbar, nicht wahr?
Mit den heutigen Mobiltelefonen ist es genauso, die Connectivity, Bandbreite und Anwendungen sind da, aber die Bedienung dieser Geräte über reduzierte Mini-Tastaturen ist alles andere als effizient und lässt kaum mehr als rudimentäre Standard-Dienste wie E-Mail oder Calendaring zu. An echtes „Browsing“ ist damit nicht zu denken.
Was uns also fehlt um dem mobilen Internet zum Durchbruch zu verhelfen, ist die "Maus" (bzw. das mobile äquivalent dazu).
Es gibt derzeit mehrere Kandidaten, die genau diese Lücke schliessen können, v.a. Funk-Technologien (NFT bzw. RFID) und optische Verfahren (Bilderkennung mit der Kamera des Mobiltelefons) sind hier relevant.
Ich werde in der nächsten Zeit einige Beiträge posten, die sich genau mit diesen neuen Ansätzen auseinandersetzen, und diese vor allem in Hinblick auf die spezifischen Anforderungen mobiler Informationsarbeit bewerten.